Der November

 

Ach, dieser Monat trägt den Trauerflor...
Der Sturm ritt johlend durch das Land der Farben.
Die Wälder weinten. Und die Farben starben.
Nun sind die Tage grau wie nie zuvor.
Und der November trägt den Trauerflor.

Der Friedhof öffnete sein dunkles Tor.
Die letzten Kränze werden feilgeboten.
Die Lebenden besuchen ihre Toten.
In der Kapelle klagt ein Männerchor.
Und der November trägt den Trauerflor.

Was man besaß, weiß man, wenn man's verlor.
Der Winter sitzt schon auf den kahlen Zweigen.
Es regnet, Freunde. Und der Rest ist Schweigen.
Wer noch nicht starb, dem steht es noch bevor.
Und der November trägt den Trauerflor.

 

Erich Kästner

 

 ***

 

Als Pflanze des Monats stelle ich den Zauber- und Mythenbaum Eibe vor

 

Die Eibe ist mit ihrem knorrigen, wandelbaren Aussehen etwas ganz Besonderes. Seit dem Altertum gilt sie als Baum des Todes und ist deshalb oft auf Friedhöfen zu finden.

Auch Zauberkräfte sagte man ihr nach, sie wurde als Schutz vor Hexen und bösen Geistern ums Haus herum gepflanzt. Bei den Kelten war sie der Baum der Druiden. Und soll der Baum der Muttergöttin, auch als Todesgöttin bekannten, düsteren keltischen Göttin Morrigan sein.

Neuerdings wird aus ihren Nadeln ein Elixier hergestellt, das in der Krebstherapie Anwendung findet.

Biologisch ist die Eibe eine Mischform zwischen Laubhölzern und immergrünen Nadelhölzern. Sie altert extrem langsam, ihr Holz ist langlebig, widerstandsfähig und gleichzeitig biegsam. Deswegen stellten schon die Alemannen und Wikinger Bogenwaffen aus Eibenholz her. Die Eibe gehört aber auch zu den Taxus-Arten. Der lateinische Begriff Taxus ist vom griechischen toxon (= Bogen) übernommen worden, und Toxikum (griech. toxikon) heisst Gift. Same, Rinde und Nadelwerk der Eibe sind ausserordentlich giftig. Nur das Fruchtfleisch der leuchtend roten Beeren ist genießbar, die Samen in den Früchten enthalten aber ebenfalls das giftige Taxin.